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Als wir zum Züchter reisten, hatten wir
nicht vor, zwei kleine Waldkaterchen zu kaufen. Lange hatten wir
überlegt, ob wir überhaupt noch ein Kleines einziehen lassen sollten.
Sammy war sehr krank. Peewee war verstorben, Cheyenne sehr eifersüchtig.
Aber unsere Stimmung war unter dem Nullpunkt angelangt. Als mein Mann
wieder mal mit Sammy zum Tierarzt fahren musste, saß ich draußen und
betrachtete mir so die verbliebene Mannschaft. Wir wussten, auch wenn
wir es nicht wahrhaben wollten, Sammy würde nicht lange leben dürfen.
Ich dachte: „Nein, nur mit zwei Pelzen
und die ganze Trauer dabei. Nein.“ Aber diesmal wollten wir geplant und
sorgfältig vorgehen. Stundenlang sah ich mir im Internet Stammbäume an.
Eine Bekannte machte mich auf Fritjof aufmerksam. Ein Telefonat und wir
reisten wenig später hin. Wir waren hingerissen. Die Kleinen sahen super
aus, die Züchter legten sehr viel Wert auf Gesundheit. Ich verlor sofort
mein Herz an das kleine blaue Pelzknäuel. Wir hatten allerdings ein
Problem: mein Mann hatte sich in Finn verguckt.
Mein Mann hatte einen „Blankovertrag“,
unterschrieben. Zu hause diskutierten wir kurz. Mein Mann sagte Finn und
ich Fritjof. Dann nehmen wir eben beide. Meine ganzen Einwände sind in
der Geschichte: Finn und
Fritjof ziehen ein, zu lesen. Trotz
meines manchmal schlechten Gewissens gegenüber Sammy, freute ich mich
auf den Einzugstermin der beiden. Uns kam die Zeit ewig lange vor. Dann
endlich waren die beiden 14 Wochen alt und bereit zum Umzug.
Wir hatten uns extra ein paar Tage Urlaub
genommen um viel Zeit für die beiden Kleinen zu haben. Im Haus und
Garten hatte ich vorher soviel wie möglich auf „ Vorrat“ erledigt. Ich
ahnte schon, dass dafür nur wenig Zeit bleiben würde. Für das
Züchterehepaar war es selbstverständlich, ihre „Kinder“ ins neue Heim zu
bringen. Natürlich wollten sie auch nebenbei wissen, ob es die beiden
bei uns auch gut haben würden.
Ich hatte bei einem späteren Treffen
nachgefragt, was gewesen wäre, wenn sie den Eindruck gehabt hätten, dass
die Kleinen bei uns nicht gut untergebracht gewesen wären. Dann hätten
sie Finn und Tjoffy wieder eingepackt. Insgeheim hatte ich große Angst,
dass Cheyenne in seiner eifersüchtigen Art, die Kleinen nicht dulden
würde. Aber die verstanden sich sofort super miteinander. Uns fiel ein
großer Stein vom Herzen und ein noch größerer als feststand, dass auch
Sammy gut mit den beiden leben konnte.
Die Kleinen (so hießen sie sehr lange und
manchmal auch heute noch, obwohl sie alles andere als klein sind)
brachten Leben in unser schon etwas trauriges Heim. Wenn Sammy sich gut
fühlte, beschäftigte er sich auch mit den Kleinen. Wenn er seine Ruhe
haben wollte, machte er es deutlich. Bisher hatten wir nie zwei kleine
Waldkatzen großgezogen. Wir waren auf einiges gefasst, aber die Beiden
brachten in kürzester Zeit unseren geregelten Tagesablauf durcheinander.
Morgens früh war schon das Laserspiel
angesagt. Am liebsten spielten die Beiden Nachlaufen. Warnmeldungen wie
„Vorsicht, Finn (oder) Achtung, Tjoffy kommt um die Ecke!“ waren ständig
aktuell. Ich kann es auch abkürzen: die beiden stellten unseren
gepflegten Haushalt auf den Kopf. Es war wunderbar die beiden
großzuziehen, aber es war auch anstrengend. Mal eben was erledigen, nein
das war nicht mehr drin. Manchmal standen bei uns sämtliche Schranktüren
offen, weil die kleine Bande sich alles angucken wollte. Unseren Großen
fiel denn bald ein, was die können, können wir auch. Vor allem Cheyenne
tat (und tut es immer noch) gut
Als die beiden 5 Monate alt waren, sah
ich Finn fast pausenlos über den Futternapf. Er zog sich Unmengen an
Futter rein. Die nächste Wiegeaktion erklärte alles. Finn hatte in vier
Wochen ein Pfund zugelegt. Mit seiner Wachstumsgeschwindigkeit hatte
auch Finn seine Probleme. Beim „Pippi machen“ wusste er nicht so genau,
wo er aufhörte.
Sein Bruder Fritjof wuchs langsam aber
stetig. Finn legte in einem dreiviertel Jahr pro Monat ca. ein Pfund zu.
Tjoffy überholte seinen Bruder erst nach anderthalb Jahren.
Seltsamerweise glich auch das Verhalten der beiden, der jeweiligen Art
zu wachsen. Finn verfeuert seine Energien schnell, heftig und in kurzer
Zeit. Dann ist er müde. Sein Bruder teilt seine Energien besser ein.
Tjoffy macht alles ruhiger, macht kleine Döseschläfchen und hält
wesentlich länger durch. Inzwischen wiegen beide um die 7 Kilo
ohne übergewichtig zu sein. Obwohl beide ihrem Freund Cheyenne an Größe
und Gewicht haushoch überlegen sind (Cheyenne wiegt jetzt 4,9 Kilo),
spielen sie diese Überlegenheit nie aus.
Finn ist eine Frohnatur, aber bei
bestimmten Dingen ehr beleidigt. Eins dieser Dinge sind die Flohtropfen.
Tief beleidigt rennt er den ganzen Tag vor mir weg. Das ich! so was mit
ihm!! Mache!!! Ja ich weiß, ich bin denn eine doofe Dosi. Finn ist
unproblematisch. Er möchte gut gefunden werden, gelobt werden, wenn er
seinen Pröll („Finn sein Pröll“) bringt.
Tjoffy nimmt vieles gelassener. Aber
wehe, wenn seine Weltvorstellungen durcheinander geraten. Dann ist er
völlig durch den Wind. Reagiert oft mit Durchfall. Finn wurde ja als
erster mit fast 12 Monaten kastriert. Als Finn nicht da war, ging es
noch, aber als Finn wackelnd und nach Tierarzt riechend zu hause war,
das war zuviel!!! Tjoffy fauchte was die Stimme hergab, war nicht mehr
ansprechbar, und knurrte seinen Bruder an. Am nächsten Tag bekam er
Durchfall.
Bei seiner eigenen Kastration hatte
Tjoffy beschlossen, nie!! wieder aus seinem Tönnchen im Außenbaum heraus
zu kommen. Es war schon ein Stück Arbeit, Tjoffy zu überzeugen, dass
doch alles in Ordnung ist. Tjoffy braucht seine Rituale. Nach wie vor
kommt Tjoffy, kurz nach dem ich das Licht ausgemacht habe, auf mein
Bett, tupft mit der Pfote auf mein Gesicht und möchte bitte schön sein
Stängchen.
Wenn er mich richtig gut findet, kommt er
auf meinen Bauch und trampelt glücklich schnurrend herum. Ich versuche
die Muskeln anzuspannen, denn dicke Pfoten, an denen 7 Kilo Gewicht
dranhängen, sind gut zu spüren. Aber wenn man seine Pelze liebt, hält
man so einige saus.
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